Entspanntes Arbeiten

Die bso-Studie 2011 ermittelt einen deutlichen Handlungsbedarf für eine bessere Büroausstattung. Von der Planung hängt es wesentlich ab, ob sich Mitarbeiter in Büroräumen wohlfühlen.

Die Zeiten haben sich geändert: Viele Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften. Neben dem demografischen Wandel sind es zahlreiche und sehr komplexe Faktoren, nach denen hoch qualifizierte Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz auswählen. Neben den Unternehmenszahlen und dem Erscheinungsbild hat die Gestaltung der Arbeitsplätze eine unmittelbare Aussagekraft über das Engagement der Firma für die Menschen, die dort arbeiten. Motivation und Arbeitszufriedenheit werden von der Gestaltung der Arbeitsplätze zwar nicht alleine, doch wesentlich mit geprägt und wirken sich erheblich auf die Produktivität der Unternehmen aus. Eine Studie des bso Verband Büro-, Sitz- und Objektmöbel, Wiesbaden, an der sich 603 inländische Unternehmen beteiligt haben, beleuchtet diese Zusammenhänge.

Dynamisches Sitzen entspannt den Rücken

Wenn die Studie erklärt, dass 95,4 Prozent der Unternehmen Stühle einsetzen, die dynamisches Sitzen zulassen, dann klingt das zunächst ganz gut, erweist sich bei näherem Hinsehen aber als gar nicht so gut. Denn als „dynamisches Sitzen" wird der Wechsel zwischen aufrechtem Sitzen und kurzzeitigem Zurücklehnen zur Entlastung der Rü-ckenmuskulatur und der Bandscheiben bezeichnet. Somit bezieht sich dieses Sitzen auf Stühle einfacherer Bauart. Lediglich 19,7 Prozent aller befragten Unternehmen setzen ausschließlich Drehstühle mit Synchronmechanik ein - Stühle also, die sich dem natür-lichen Bewegungsablauf des Menschen anpassen können. Der Rücken entspannt sich, die Durchblutung verbessert sich.

Eine Alternative sind auch Tischmöbel, die Sitzen und Stehen abwechseln lassen. In gesundheitlich orientierten Unternehmen bietet der Chef fast der gesamten Belegschaft solche Büroarbeitsplätze an. Spielen Prävention und Gesundheitsaspekte am Arbeits-platz hingegen nur eine geringe bis gar keine Rolle, so muss der Beschäftigte lange auf den Sitz-Steh-Tisch warten. "In mittleren und großen Unternehmen sind hierzulande erst 12 Prozent aller Büroarbeitsplätze mit solchen Tischen ausgestattet. Bei unseren skandinavischen Nachbarn werden sie bereits in fast allen Büros eingesetzt", gibt Willi Schneider zu bedenken. Schneider ist Leiter des Büro-Forums im bso Verband in Wies-baden. Stehpulte seien auch eine Option. Die hoch- und herunter fahrbaren Sitz-Steh-Tische hätten aber den Vorteil, alle Unterlagen und den Computerbildschirm auf einmal zu bewegen. Das macht sie vielseitiger.

Mitbestimmung lässt Mitarbeiter besser sitzen

In einem Kommentar zur Studie gibt Schneider eine einfache Formel für die Verbesserung der Arbeitsplatzqualität: Mitbestimmung für Mitarbeiter. Es zeigt sich nämlich, dass sich in jedem zweiten Unternehmen zur Beschaffung des Büromobiliars die Ge-schäftsführung einschaltet. Das Mitarbeiter ihre Bürogestaltung mitbestimmen, ge-schieht nur in 16 Prozent der Unternehmen. Die Erfahrung zeige auch, dass nur in Be-trieben mit relativ wenigen Büroarbeitsplätzen der Mitarbeiter eine Chance habe, auf das Rauminterieur Einfluss zu nehmen. Personalabteilungen und Betriebsräte verzichteten überwiegend auf Mitsprache. „Zugegeben, es kostet etwas Mühe, Geduld und auch Zeit. Aber es kostet nicht nur, es bringt auch etwas: zum Beispiel mehr Identifikation, mehr Motivation, weniger ‚Dienst nach Vorschrift', weniger Krankentage", betont Schneider.

Autor: W. O. Geberzahn/Martin Schäfer

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